Hygieneskandal + Festspielprogramm


* Eine Reizwortgeschichte

Nach zwölf Jahren harter Lobbyarbeit hätte die Einladung herzlicher ausfallen können, vor allem aber festlicher. Anna Dellbrinck war enttäuscht. Ihre Berufung in das Auswahlkomittee des Festspielprogramms hatte sie sich stets auf Bütten vorgestellt, mit offziellem Briefkopf , Prägestempel und einer schwungvollen, eleganten Unterschrift. Ein Blatt, das man fein gerahmt an die Bürowand hängen konnte. Die für Besucherbeeindruckung ideale Blickachse hatte sie bereits vor kleinen Ewigkeiten ermittelt. Stattdessen nun eine lapidare SMS: „Sie sind drin. Nächstes Treffen Freitag, 16:00 Uhr, Raum Turin. Gruß, Meyerhoff“.

Raum Turin? Fanden die Komitteesitzungen nicht mehr im kleinen Saal des Festspielhauses statt, sondern in einem Hotel? In Klangmeiers Verlagshaus vielleicht? Wen konnte sie fragen, ohne sich eine Blöße zu geben? Wieder einmal wurde Anna schmerzlich bewusst, dass sie seit ihrer Stellungnahme zum Hygieneskandal nicht nur in Fleischfabrikantenkreisen als einfältig galt…

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