Vaterland + Pelzkragen

* Eine Reizwortgeschichte
Pietkas Leben fand außerhalb der großen Wertesysteme und Traditionen statt. Für seine Zwecke war es völlig ausreichend, eine wertkonservative Haltung glaubhaft darstellen zu können. Tief drinnen waren ihm Anteilnahme und Anstand ebenso fremd wie Verbindlichkeit und Loyalität.

Die Kameras liebten Pietka und die Journalisten auch. Aus seinem Mund klangen selbst Wörter wie Vaterland und Pflicht angenehm und glaubwürdig, was sicherlich auch an seinem gepflegt-rauen Bariton lag und seinem fast untrüglichen Sinn für situativ korrekten Stil. Tatsächlich verging kaum eine Woche, in der die Klatsch- und Lifestyle-Presse Pietkas Anlass-gerechtes Auftreten nicht thematisierte. Mit dem lässigen Umlegen eines mottenzerfressenen Pelzkragens, mit dem ihn diese hysterische Tierschützerin zuvor geschlagen hatte, hatte er es letzte Woche erstmals sogar in die großformatigen Tages- und Wochenzeitungen geschafft

Hier und jetzt wünschte Pietka die Presse zum Teufel. Über Nacht hatte irgendwer quer über die Frontseite seines neuen Hauses „Du hast die Haare schön“ gepinselt. Pink und präzise, in zwei Meter hohen, schwungvollen Buchstaben. Etwas kleiner darunter, in anderer Schrift, schwarz und offenbar eilig gesprüht, stand „Aber nicht mehr lange“.

Ein gefundenes Fressen also für die Paparazzi, von denen nun sich mehr und mehr in seinem Vorgarten einfanden. Von der Wasserseite aus näherten sich gleich drei Sportboote ...

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