Kosmetiksparte + Treibeis


* Eine Reizwortgeschichte
Wie viele Männer, von denen es heißt, sie hätten ihren Zenit überschritten, suchte auch Ulf Reiter stets nach Taten, mit denen er der Welt und sich selbst beweisen konnte, dass er noch lange nicht zu den Legionen von „was macht eigentlich X, der war doch mal wer“ gehörte. Für die dritte Familiengründung fühlte er sich noch nicht alt genug. Hinzu kam, das ihm das Bild des Klischee-Spätfünfzigers mit Ferrari und frischem Trophäenweibchen inzwischen nicht mehr behagte.

Bei der Wahl eines passenden, öffentlichkeitswirksamen Abenteuers hatte er sich schwer getan. Als Leiter der Kosmetiksparte bei Sphincter & Shamble (S&S), der auf der Karriereleiter noch ein wenig weiter wollte, hatte er nicht viel Auswahl in puncto Waghalsigkeiten. Das hatte ihm nicht zuletzt auch die Rechtsabteilung unmissverständlich klar gemacht.

Was er schließlich durchbekommen hatte, war ein vierwöchiger Aufenthalt in der polaren Forschungsstation Meier 5, bei den ihn ein kleines Filmteam begleiten sollte. Aktions- und Zeitplan waren straff organisiert. So stand für die zweite Woche eine emotionale Begegnung im Treibeis auf dem Plan, bei der Ulf auf Tiere treffen sollte, aus deren Verwandten S&S in früheren Zeiten Zutaten für seine Duft- und Kosmetikprodukte gewonnen hatte.

Am tief berührten Gesichtsausdruck feilte Ulf bereits seit mehr als einem Monat, wann immer er an einem Spiegel vorbei kam …

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