Drüsenfieber + Gefrierbrand

* Eine Reizwortgeschichte
Suse hieß Pfeiffer mit Nachnamen und litt darunter, dass wir sie Drüsenfieber nannten, wahlweise auch Drüsensuse, denn Tränensuse war uns einfach zu trivial. Sie rächte sich, indem sie uns bei jeder Gelegenheit bei der Vertrauenslehrerin verpfiff. Das hatte zwar selten dramatische Auswirkungen, aber von unseren Deals mit Frau Schwarz wußte Suse ja nun einmal nichts.

Wie hätte sie auch, denn außer Schellfisch Anna sprach mit ihr niemand mehr als das Allernötigste. Jedenfalls nicht bis zur zehnten Klasse, genauer gesagt bis zum Frühlingsball. Mangels eines Freundes hatte Suse ihren Cousin Ralf als Tanzpartner verpflichtet. Uns fielen fast die Augen aus dem Kopf, als die Jungen vom Jesuiteninternat vier Dörfer weiter aus dem Bus stiegen und der allerhübscheste ausgerechnet Suse um den Hals fiel. Ralf wirkte kleine Wunder für Suses Beliebtheit, aber dazu später.

Eine Woche vor dem Frühlingsball hatte uns Suses Petzerei schließlich doch einen offiziellen Tadel und Heimfahrverbot eingebracht. Wir rächten uns, indem wir sie im Kühlhaus einsperrten und ihr über einen kleinen Lautsprecher eine halbe Stunde lang schlecht gereimte Gemeinheiten vortrugen, in denen es um Gefrierbrand, verdorbenes Fleisch und den einsamen Tod im Eis ging…

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