Bärenfell + Pontonhose

* Eine Reizwortgeschichte


Zwischen Hartz IV und den Hamptons gibt es mehr Bandbreite und Facetten, als sich der TV-geschulte Durchschnittsbürger vorstellen kann. Das klingt trivial, ist es aber nicht. Zumal längst nicht jeder für den Zickzackkurs zwischen Mehr-als-genug-Haben und Von-der-Hand-in den-Mundleben-müssen gemacht ist.

Ohne Übung können Kontoausschläge nach oben nämlich ebenso hässliche Folgen haben wie überzogene Kreditkarten und Dispos. Das gilt für Knaben, die ihrem künftigen Leben mit dem sprichwörtlichem Silberlöffel im Mund auf feinstem irischen Leinen und Bärenfell entgegen träumen ebenso wie für die Jungen im Billigststockbett, deren Versorgung ohne die Tafeln und andere Armenspeisungen nicht funktionieren würde.

Der Mann aus Augsburg legt großen Wert auf die Feinabstimmung seines äußeren Erscheinungsbilds. Die Mühen dabei nimmt er gerne auf sich. So müssen zu den historischen Wagen, die er fährt, nicht nur Bekleidung und Schuhwerk perfekt passen. Auch die Zeit- und Kontext-typische Haartracht und Körpersprache wollen recherchiert und sorgsam umgesetzt sein.

Niemals käme ihm in den Sinn, seinen Mercedes-Ponton in einer vieltaschigen Camouflagemontur zu fahren, auch wenn Generationen von Bundeswehrsoldaten in so genannten Pontonhosen Dienst geschoben haben. Nein, zu diesem alten Benz gehören für ihn ganz selbstverständlich ein korrekter, taillierter Trenchcoat, ein halbweicher Hut mit breiter Krempe, ein schmal geschnittener Anzug und Lederhandschuhe…

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