Feminismus +Tierbefreiung

* Eine Reizwortgeschichte  -- für Miriam aka Miri Berlin

Im Leben ambitionierter Kampfmütter gehören Kindergeburtstage gleichermaßen zur Pflicht wie zur Kür. Die Bespaßung und Bewirtung der Kleinen gilt als einer der wichtigsten Austragungsorte verbissener Wettbewerbe um den Titel der Supermutti. Der Kreativitäts– und Innovationsdruck ist hoch und der Vorlauf lang, auch weil bei der Vorbereitung alle Eventualitäten zwischen Allergien und plötzlich auftretenden Zyklonen zu berücksichtigen sind.

Karola Brackner-Menderling war bekannt für ihre präzise Planung. Die Geburtstage ihrer Kinder gerieten regelmäßig zu Events, über die man nicht nur in dem kleinen Mittelklasseviertel, sondern durchaus auch in den Villengegenden Potsdams sprach. Karola war die Messlatte, nach der sich die anderen Mütter Jahr für Jahr vergeblich reckten.

Und nun machte ihr ausgerechnet die eigene Tochter einen Strich durch die Rechnung. Vor einer Woche hatten Sophie und ihre Freundinnen bei einer Hausaufgabe nämlich den Feminismus für sich entdeckt. Und der machte auch vor Geburtstagsplanung keinen Halt. Achtjährige Feministinnen hassen neben Jungs nämlich offenbar auch die Massen-Tierhaltung. Von einem Tag auf den anderen war Fleischverzehr „eeeekelig“ und grausam, und jede Scheibe Schinken am Familientisch wurde mit Augenrollen und missbilligenden Seufzern kommentiert.

Das Internet spuckte zum Thema Sätze wie diesen aus: „Feministinnen sehen im Fleisch das Symbol männlicher Dominanz und weiblicher Entmachtung. Der Vegetarismus dagegen steht für eine Handlung autonomer Weiblichkeit und für die Ablehnung männlicher Kontrolle und Gewalt.“  So ein Blödsinn! Erst vor zwei Wochen hatte sie Alice Schwarzer bei Borchard Schnitzel in sich stopfen sehen.

Aber was half das schon. Der Nachmittag in der Ferkelstation jedenfalls hatte sich erledigt. Hier drohte eine Kinderaktion zu Tierbefreiung. Karola brauchte einen neuen Plan. Dringend...

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