Blasen- und Nierentee + Helmut Kohl

* Eine Reizwortgeschichte mit Begriffsvorgaben von Andreas 'Windhund' Reithmeier

Bei rechtem Licht betrachtet gab es keinen Grund, neidisch auf Holger zu sein. Zugegeben, beim Gang durch die Zimmerfluchten seines zweistöckigen Penthouses am Central Park konnte vor allem kunstsinnigen Gemütern schon einmal der Atem stocken. Hier drei Rothkos, dort acht kleine Köppes, mittelgroße Kippenbergers und Neonarbeiten von Bruce Naumann in den unteren Gästeklos, um nur eine kleine Auswahl zu nennen. Ein Cembalo aus dem 17 Jahrhundert fand seine modernere Entsprechung in einem Jugendstil-Flügel und von der Geigensammlung wollen wir ebenso wenig reden wie über sein Loire-Schlösschen, die Residenz in Marrakesch und den großen Rest.

Keine Frage, Holger war ein reicher Mann. Glücklich und gesund war er nicht. Seine genaue Diagnose kannte niemand, aber aufmerksamen Beobachtern war nicht entgangen, dass er in letzter Zeit statt alten Single Malts nur noch Nieren- und Blasentee trank. Selbst bei der kleinen Feier, die ihm Freunde zum Abgang von Helmut Kohl ausgerichtet hatten, machte er keine Ausnahme.

Entgegen landläufiger Meinung und medialer Berichterstattung, war es Holger gewesen, der den Dicken aus Oggersheim zu Fall gebracht hatte. Diskretes Strippenziehen war seine Kernkompetenz. Im Grunde war Kohl nur ein Item auf einer Liste, die täglich länger wurde. 


Die Party empfand Holger als peinlich und während die anderen Gäste Pfälzer Weine in sich schütteten als gebe es kein Morgen mehr, trank er Tee aus einer mitgebrachten, alten Woolworth-Tasse auf der "World's Best Mum" stand…./

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