Berufsverbot + Fieberthermometer

* Eine Reizwortgeschichte 

Taubert kam aus einer Zeit, in der es zum guten Ton gehörte, auf schwarzen Listen zu stehen, Berufsverbot ein fast normaler Vorgang war und Kriegsdienstverweigerung ein Muss. Seinen ersten Molotow-Cocktail hatte er mit 12 geworfen, beim ersten programmatischen Artikel für die konspirative „Sumpfblume“ war er gerade 14 geworden.

In der unabhängigen linken Szene galt er als eine Art Wunderkind, auch wegen seiner Graffiti und Karikaturen, die er großformatig auf die Wände viel genutzter Bahnunterführungen, Autotunnels und Universitätsgebäude sprayte.

Erstes Aufsehen hatte er mit einer Arbeit erregt, die einige stadtbekannte DKP-Frauen breitbeinig auf einem Fieberthermometer hin und her rutschend zeigte, das tief im Hintern von Erich Honecker steckte. Signiert hatte er das Ganze mit Juri Jähn…


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 Reizwortgeschichten basieren auf zwei Wörtern, die formal und inhaltlich erst einmal keinen Zusammenhang haben, genauer gesagt auf zwei Begriffen, die mir Andreas Raum seit Anfang Dezember 2010 an fast jedem Abend per SMS zuschickt. Meine Aufgabe besteht darin, mir noch am selben Abend eine kleine Geschichte oder Skizze auszudenken, in der die jeweiligen Begriffe vorkommen. Den so entstehenden aktuellen Kurztext schickt Herr Raum dann an einen Verteiler interessierter Leute. Je nachdem zu welchem Zeitpunkt seine "Abonnenten" in den Verteiler eingestiegen sind, kennen sie drei, zwölf oder alle der rund 50 bisher geschriebenen Reizwortgeschichten. Einige der Leser wünschen sich eine Art Archiv, und so sollen hier nach und nach alle bisherigen Texte aus der Reihe erscheinen. Die jeweils aktuellste Geschichte gibt es weiterhin per E-Mail. Bei Interesse genügt eine Nachricht an a.raum@gmx.net

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