Fingerübung

Frank wird Schriftsteller. Nicht, weil er der Welt wirklich etwas mitzuteilen hätte. In Frank ist kein Gedanke, der darauf drängte in die Welt geworfen zu werden. Kein Trauma, das er, statt es zum Therapeuten zu tragen, in ein Taschenbuch göbeln wollen würde. Kein künstlerisches Geschwür, das kurz vor dem Herausplatzen wäre oder darauf wartete, herausgeschnitten zu werden.

Frank wird Schriftsteller, weil er Pragmatiker ist. Weil er Julia will. Weil Julia mit niemandem schläft, der nicht mindestens einen Kurzgeschichtenband im Markt hat. Gedruckt. Im aktuellen Sortiment. Bei einem echten Verlag. Mit Renommee. Also weder Heyne noch Verbrecher.

Also hatte sich Frank hingesetzt und der Bandbreitigkeit halber gleich mehrere Exposes erdacht:
--Eine Serie moderner Ritterromane, die um Hip Hop-Helden aus Kreuzkölln kreisen
--Ein dramatisch-verschwurbelter Krimi im ukrainischen Sexarbeiterinnen-Millieu
--Kurzgeschichten mit fein ziselierten Beobachtungen des Literaturbetriebs und der Berliner Boheme
--Einen komödiantischen Kracher um einen gescheiterten Feuilletonchef, der sein Glück als Ratgeber-Autor sucht

Die Literaturagenten bei Pfluger & Deichwacht waren begeistert. Stoben los zu den Verlagen. Jetzt hat Frank Vorverträge mit Rowohlt, KiWi und S. Fischer. Und jede Menge Stress mit der Recherche...

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