Salsa ist für Muttis

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Sonntags abends, wenn der Tag am Pool vorbei ist, die Kinder gefüttert, im Bett oder in der Obhut einer Amah sind, dann gehen die jungen Mütter aus Yicui Shanzhuang runter ins Brown Sugar. Salsa tanzen. Salsa ist nämlich ihre neueste Leidenschaft.

Ganz klar, dass man sich für den Sonntagabend halbe Schränke voll von wehenden, halblangen Röcken, Riemchenschuhen und engen, tief ausgeschnittenen Blüschen anschaffen muss. Schließlich soll ja alles stilecht sein. Zumal man mittlerweile zwischen den Sonntagen sogar Tanzstunden nimmt.

Weil man sich nach ein paar Wochen Training und viel DVD-Gucken nun deutlich kompetenter in Sachen Salsa fühlt, wird jetzt erst einmal der Tanzlehrer ausgetauscht, sagt Frau Guo. Frau Guo ist die inoffizielle Anführerin der Salsa-Muttis. „…Puerto Rico! Der Kerl kommt aus Puerto Rico. Als ob sie da Ahnung vom Tanzen hätten…. Der jedenfalls kann noch nicht mal Merengue. Und dann nennt er sich schmierigerweise auch noch Don Juan...“.


Frau Guo, deren Mann damit reich geworden ist, für einen südafrikanischen IT-Grosshändler Computer und Komponenten einzukaufen, ist nicht zufrieden. Oh Nein. „…Für tausendfünfhundert Taiwan Dollar pro halber Stunde kann man echt etwas mehr erwarten….“ Nun soll ein Exil-Kubaner ran.






Frau Guos Gatte belächelt die neue Salsa-Eifrigkeit und greift träge zur TV-Fernbedienung, als die Frauen aufgeregt schnatternd aus dem Haus stöckeln. Salsa wird so schnell vergehen wie die Täbo Workouts, die Cocktailmix-Manie oder die indonesischen Kochkurse; und die Flatter-Outfits werden hinten in ihren geräumigen Kleiderkammern vergammeln, genau so wie die vorherigen Verkleidungen.


Wetten sollte er darauf aber besser keine abschließen. Würde er nämlich mal mitgehen ins Brown Sugar, wüsste er wie Frau Guo und ihre Freundinnen da herumjuchzen und Latina-Leidenschaft mimen. Wüsste auch von den Horden junger und nicht mehr ganz so junger Herren, die dort auf südamerikanisch-lässig machen und den schicken Muttis nicht nur beim Tanzen ordentlich an die Hüften langen, und anderswohin.

"Hey, wir sind eben emanzipiert", lacht Frau Guo. Und dass sie beim Tanzen garantiert weniger „Action“ bekäme als ihr Mann an jedem Abend, den er mit Kunden im Stallion Club oder in irgendeiner Pianobar verbringt.

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