Poodle Blues

In der Gasse hinter dem Ming Yao-Kaufhaus ist heute nicht viel los. Ein Taifun ist im Anflug, der unablässig fallende Regen macht von allen Seiten nass. Die Restaurants und Cafes sind gähnend leer, was fast wörtlich zu verstehen ist: Gäste sind keine da, ein Grossteil des Service-Personals hängt dösend, mit fett gegeltem Haar über den schick eingedeckten Tischen. Der Rest hockt mit Notebooks an Fensterplätzen und daddelt wireless, vermutungsweise in irgendwelchen Chatrooms herum. Im Xinyi Distrikt kommt man mittlerweile nämlich überall kosten- und kabellos ins Internet. Demnächst soll das , nach dem Willen von Präsident Ma, überall auf der Insel ganz selbstverständlich sein.

Bis dahin wird die Italien—Manie, die in der Taipeier Gastronomie derzeit grassiert, wahrscheinlich schon  wieder verflogen sein. Allein auf der nur rund 400 Meter langen Nebengasse der Zhongxiao Donglu, auf der ich gerade mit einer Freundin gegen den Wind gestemmt entlang laufe, führen sieben Lokale italienische Namen. Von Capones über Rialto bis Mama Leone bietet man Pasta, Pizza und „authentischen“ Cappucino feil. Zwischendrin preisen gleich drei Läden "the new, the good life" -- mit Kräutertees, ökologisch korrekten Muffins und Wellness-Badezimmerschnickschnack. Und dann ist da noch das Poodles.

Offiziell heißt der Laden "Poodles. The Dog Cafe". Laut der liebevoll zweisprachig handbeschrifteten Menü-Tafel bekommen die Vierbeiner heute besonders leckeres Filet von japanischen Rindern, dazu amerikanische Vitamine für glänzendes Fell und, selbstverständlich, europäisches Mineralwasser. Für ihre Besitzerinnen und Besitzer sind sechs verschiedene Kuchensorten sowie das übliche Sortiment zwischen fettreduziertem Latte und entkoffeiniertem Eiskaffee im Angebot.

Im Vergleich zu den anderen Läden ist es bei Poodles rappelvoll: Von draußen sind drei aufgetakelte Damen Mitte bis Ende 60 und sieben kleine Hunde zu sehen. Zwei weiße Zwergpudel. Je zwei schwarze und weiße Exemplare einer teuren Mini-Terrier Sorte; ein weiterer ist Pekinese und hockt auf einem breiten, mit Escada oder sonst einer kostspieligen Mutti-Marke bedecktem Schoss.

Außer dem Pekinesen, den Frau Chen- Wang- oder Zhou gerade eigenhändig füttert, werden die Hunde paarweise und sehr respektvoll an eigenen Tischen bedient, die etwa 50 Zentimeter höher als normale Cafetische sind. Die Tierchen fressen und sabbern etwa auf Augenhöhe mit ihren goldbehangenen Besitzerinnen. Die sehen mit ihren Betonfrisuren allesamt so aus wie die Mutter von Nanny Fine, bloß chinesisch eben und geliftet und viel, viel teurer gekleidet. Denn billige Fakes kommen hier schon lang nicht mehr in die Tüte…

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